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Arbeitswelt

Generation Z will Work-Life-Balance – aber in den USA geht der Trend Richtung Dauerstress

25. Nov 20253 Min. Lesezeit

4-Tage-Woche in Europa, 72-Stunden-Marathon in den USA?

Während in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern hitzig über die Vier-Tage-Woche diskutiert wird, passiert in den USA gerade das Gegenteil: Manche Start-ups – besonders im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) – führen extreme Arbeitszeitmodelle ein, bei denen 70 oder sogar mehr Stunden pro Woche ganz normal sind. Von 9 Uhr bis 21 Uhr – sechs Tage die Woche. Das nennt sich „996-Modell“ und stammt ursprünglich aus China.

Das Start-up Rilla aus San Francisco hat diese Praxis übernommen. Laut Stellenanzeige braucht man sich gar nicht erst zu bewerben, wenn man nicht bereit ist, 70 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Auch andere bekannte Tech-Figuren wie Elon Musk oder Google-Mitgründer Sergey Brin sind Fans der extrem langen Arbeitswoche. Musk forderte 2022 in einer berüchtigten Mail an alle Twitter-Mitarbeitenden „extreme Hardcore“-Einsätze – mit langen Arbeitszeiten und hoher Intensität. Dabei ist das 996-Modell in China inzwischen offiziell illegal, weil es gegen das dortige Arbeitsrecht verstößt. Ironisch, dass ausgerechnet die USA diesen umstrittenen Arbeitsstil jetzt übernehmen.

Burnout-Risiko steigt – und Deutschland schaut lieber auf die Uhr

Aber was bringt das Ganze wirklich? Laut einer US-Umfrage von Care.com fühlen sich aktuell rund 70 Prozent der Befragten durch ihre Arbeit überlastet – das höchste Niveau seit Langem. Die Folge ist Erschöpfung, die so weit gehen kann, dass Menschen nur noch das Nötigste machen, um ihren Job nicht zu verlieren.

Im Gegensatz dazu zeigt ein groß angelegter Versuch in Großbritannien, dass weniger oft mehr ist. 60 Unternehmen testeten die Vier-Tage-Woche, und das Ergebnis war eindeutig: Die Mitarbeitenden waren produktiver, seltener krank und fühlten sich weniger gestresst.

In Deutschland ist das Thema ebenfalls präsent – speziell bei der Generation Z, also den Geburtsjahrgängen zwischen 1995 und 2010. Viele von ihnen können mit dem klassischen „9 to 5“-Job wenig anfangen. Stattdessen wünschen sie sich mehr Flexibilität, weniger Stress und ein echtes Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeit.

Wirtschaft mahnt: Bitte mehr schuften

Doch nicht jeder findet diesen Wunsch nach mehr Freizeit sympathisch. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert im Gegenteil, dass die Deutschen mehr arbeiten sollen. Vor allem mit Blick auf die sinkende Zahl an Fachkräften und den wachsenden Druck durch Technologien wie Künstliche Intelligenz.

Tatsächlich steigt der Wettbewerb – auch international. Und während in Europa darüber nachgedacht wird, wie man Arbeit angenehmer gestalten kann, erhöht sich in den USA der Druck: Besonders junge Tech-Talente haben es schwer, wie aktuelle Zahlen der US-Notenbank zeigen. Unter ihnen ist die Arbeitslosenquote zuletzt stärker gestiegen als im Durchschnitt.

Scherz oder Realität?

72 Stunden pro Woche arbeiten? Klingt wie ein schlechter Scherz – ist aber für manche Tech-Firmen offenbar Realität. Klar, Erfolg kommt nicht von allein. Aber wer glaubt, dass Burnout ein Kollateralschaden von Produktivität ist, hat nichts aus den letzten Jahren gelernt. Was wir brauchen, ist nicht die Rückkehr zur Dauerstress-Kultur, sondern ein neues Verständnis von Leistung. Wer nach der Uhr lebt, ist nicht faul – sondern klug genug, Grenzen zu setzen.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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