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Arbeitswelt

Tausende Jobs bei ZF Schweinfurt in Gefahr – IG Metall kämpft ums Überleben des Standorts

3. Sep 20253 Min. Lesezeit

Bild: nitpicker / shutterstock.com

Schweinfurt unter Strom – Verhandlungen laufen auf Hochtouren

Der Druck steigt: Beim Autozulieferer ZF in Schweinfurt, einem der größten Arbeitgeber der Region, laufen derzeit entscheidende Verhandlungen über die Zukunft von bis zu 4.000 Arbeitsplätzen. Noch ist nichts beschlossen – aber die Zeichen stehen auf Sturm. Unternehmen, Betriebsrat und die IG Metall sitzen seit Wochen zusammen. Jetzt, kurz vor dem angekündigten Zwischenstand, fragt sich ganz Schweinfurt: Bleiben hier bald die Werkstore dauerhaft geschlossen?

Bis spätestens 30. September sollen die Gespräche abgeschlossen sein. Fest steht schon jetzt: Es geht nicht nur um einen Sozialplan, es geht um nicht weniger als die Existenz einer ganzen Industrie-Region.

Weniger arbeiten, mehr retten?

Aktuell diskutieren die Verhandlungspartner über verschiedene Modelle, um Stellenabbau abzumildern. Konkret heißt das: Arbeitszeitabsenkungen, Produktionserhalt von Elektromobilitäts-Komponenten und möglicherweise auch die Verlagerung oder Neuausrichtung einzelner Geschäftsbereiche. Für ZF steht viel auf dem Spiel – und für die rund 8.600 Beschäftigten in Schweinfurt noch viel mehr.

Thomas Höhn von der IG Metall bringt es auf den Punkt:

„Es wird eigentlich momentan im Konzern fast auf allen Ecken und Enden verhandelt.“

Im Fokus stehen dabei auch Fragen wie: Welche Produkte lassen sich auf neuen Märkten platzieren? Wie kann das Know-how des Standorts genutzt werden, statt es aufzugeben?

Elektromobilität als Hoffnung – oder Risiko?

Der Stellenabbau betrifft vor allem die Division Elektromobilität, in der rund 5.900 Personen beschäftigt sind. Ironischerweise also genau den Bereich, der ZF eigentlich zukunftsfähig machen soll. Doch statt Aufbau herrscht nun Abbau – weil offenbar frühere Marktprognosen zu optimistisch waren und Aufträge ausbleiben.

Dabei wäre gerade hier Potenzial vorhanden, um Technologieführer in Deutschland zu bleiben. Die Fortführung der Eigenfertigung von E-Mobilitätsteilen ist deshalb eine zentrale Forderung der Arbeitnehmerseite. Denn: Wird dieser Bereich zerschlagen oder ins Ausland verlagert, verliert Deutschland wieder einen entscheidenden Teil seiner industriellen Zukunft.

Mehr als nur Schweinfurt betroffen – Flächenbrand bei ZF

Was in Schweinfurt passiert, ist nur ein Teil eines größeren Bildes: ZF steckt seit Längerem in einer tiefgreifenden Krise. An den deutschen Standorten in Nürnberg, Auerbach, Thyrnau und Bayreuth wird um Jobs gekämpft.

Die Unsicherheit ist groß – ebenso wie der Ärger. Bereits im letzten Jahr gingen Beschäftigte bundesweit auf die Straße, um auf die dramatische Lage aufmerksam zu machen. Jetzt heißt es: letzte Chance zur Kurskorrektur.

Ohne langfristige Strategie geht es nicht

Während die Manager in feinen Konferenzräumen über „Restrukturierung“ sprechen, bangen in Schweinfurt tausende Familien um ihre Zukunft. Wenn selbst der Bereich „Elektromobilität“ – also der viel gepriesene Zukunftsmarkt – zum Krisenherd wird, dann ist nicht nur ZF in Schieflage, sondern auch der Standort Deutschland.

Was jetzt zählt? Verantwortung. Mut. Und Ehrlichkeit. Kein weiterer Kahlschlag in der Industrie zugunsten kurzfristiger Gewinne. Was wir brauchen, ist ein echter Plan – nicht nur für ZF, sondern für das gesamte industrielle Rückgrat dieses Landes. Sonst droht bald nicht nur Schweinfurt, sondern ganz Bayern das Schicksal einer stillgelegten Werkbank.

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