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Arbeitswelt

Vier Gehälter, null Schlaf: Wie ein indischer Entwickler das Silicon Valley narrte

15. Jul 20253 Min. Lesezeit

Der Mann mit den 140-Stunden-Wochen

Soham Parekh ist kein gewöhnlicher Programmierer. Der indische Entwickler hat das geschafft, was für viele undenkbar ist: Er arbeitete gleichzeitig für bis zu vier Start-ups im Silicon Valley – und das, ohne dass es zunächst jemandem auffiel. Erst durch einen viralen Tweet von Suhail Doshi, dem CEO von Playground AI, flogen seine Doppel- und Dreifachspielchen auf. Der Tweet wurde 20 Millionen Mal angesehen, danach brach eine regelrechte Welle los – Gründer weiterer Startups meldeten sich zu Wort und gaben zu: Ja, auch sie hatten Parekh eingestellt. Und auch sie waren hereingefallen.

Was viele schockiert: Statt sich zu verstecken, gab Parekh Interviews. Und erklärte ganz offen, dass er bis zu 140 Stunden pro Woche arbeite – also rund 20 Stunden täglich. Schlaf? Fehlanzeige. Für ihn sei das schlicht notwendig gewesen, um aus seiner „finanziellen Notlage“ herauszukommen.

Betrug oder moderner Überlebenskampf?

Die Reaktionen auf Parekhs Verhalten sind gespalten: Die einen sehen in ihm einen Betrüger, der seinen Arbeitgebern bewusst etwas vorgemacht hat. Die anderen sehen einen Symptomträger für eine Arbeitswelt, die sich durch steigende Kosten, hohe Erwartungen und eine wachsende Gig-Economy verändert hat.

Parekh selbst sieht sich eher als Opfer der Umstände – und als jemand, der einfach mehr leisten wollte als andere. In der Tech-Szene scheint ihm das nicht geschadet zu haben: Trotz aller Vorwürfe erhielt er laut “TechCrunch” neue Jobangebote. Seine Strategie: lieber geringes Gehalt, dafür aber satte Unternehmensanteile. Risiko? Ja. Aber offenbar auch kalkuliert.

„Polyworking“: Trend mit Schattenseiten

Was Parekh tat, hat längst einen Namen: Polyworking. Und er ist bei Weitem nicht der Einzige. Immer mehr junge Menschen, auch in Deutschland, setzen auf mehrere parallele Jobs, um über die Runden zu kommen – oder um sich schnell Vermögen aufzubauen. 54 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 40 Jahren arbeiten laut Umfragen nebenbei – sei es als Freelancer, in Nebenjobs oder im Homeoffice für mehrere Arbeitgeber.

In der Tech-Branche wird das Ganze noch durch KI-Tools beschleunigt: Ein Drittel der jungen ITler nutzt heute bereits Künstliche Intelligenz, um effizienter zu arbeiten – und mehr Jobs gleichzeitig stemmen zu können. Manche verdienen damit bis zu 40.000 Euro zusätzlich im Jahr.

Aber: Gesundheitlich bleibt das nicht ohne Folgen. Viele berichten von Schlafmangel, Erschöpfung und psychischen Problemen. Die Gleichung „Mehr Arbeit = mehr Geld“ funktioniert eben nur bedingt – und oft auf Kosten der eigenen Lebensqualität.

Moralisch grau, aber rechtlich klar

Eines vorweg: Aus juristischer Sicht ist das Ganze glasklar – wer bei mehreren Arbeitgebern unterschreibt, parallel arbeitet und das verschweigt, bewegt sich in einer rechtlich höchst problematischen Grauzone. Täuschung über die Verfügbarkeit, mögliche Pflichtverletzungen gegenüber einzelnen Arbeitgebern und Datenschutzverstöße sind realistische Konsequenzen.

Aber moralisch? Tja, da wird’s spannend. Denn wenn Unternehmen in Bewerbungsgesprächen „Hustle Culture“ predigen und Mitarbeitende mit „Ownership-Mentalität“ ködern, dürfen sie sich nicht wundern, wenn einzelne Talente das Spiel irgendwann überreizen.

Soham Parekh hat das gemacht, was viele junge Arbeitnehmer heute klammheimlich versuchen – nur eben extrem. Er hat nicht betrogen, sondern das System ausgereizt. Und das System hat nicht reagiert. Solange Unternehmen auf glänzende Lebensläufe statt ehrliche Gespräche setzen, werden Fälle wie dieser keine Ausnahme bleiben, sondern die neue Normalität. Willkommen im Zeitalter des Work-Multipliers – mit vier Jobs, zwei Kopfhörern und null schlechtem Gewissen.

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