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Check-in dauert zu lang – Flug weg: Wann Reiseveranstalter zahlen müssen

31. Mär 20263 Min. Lesezeit

Bild: Harrison Ha / Shutterstock.com

Der Urlaub sollte gerade erst beginnen. Statt Vorfreude gab es aber Stress, Warten und am Ende eine harte Landung noch vor dem Abflug: Der Flug war weg. Nicht, weil die Reisenden zu spät am Flughafen waren. Sondern weil der Check-in zu lang dauerte. Genau dieser Punkt ist jetzt entscheidend geworden.

Wie das Portal airliners.de berichtet, hat das Oberlandesgericht Celle jetzt klargemacht: Wenn Reisende ihren Flug wegen überlanger Wartezeiten beim Check-in verpassen, kann der Reiseveranstalter haften. Für Urlauber ist das eine wichtige Nachricht.

Zwei Stunden vorher da – und trotzdem chancenlos

Im entschiedenen Fall waren zwei Reisende rund zwei Stunden vor dem geplanten Abflug am Flughafen. Der Flieger sollte um 6:55 Uhr starten. Das klingt zunächst vernünftig. Viele würden sagen: Wer da seinen Flug verpasst, muss doch selbst etwas falsch gemacht haben. Doch genau das sah das Gericht offenbar anders.

Vor Ort warteten an zwei Check-in-Schaltern etwa 150 Passagiere. Dort wurden zwei Flüge abgefertigt, die kurz nacheinander starteten. Der Check-in dauerte nach den Angaben der Betroffenen rund eine Stunde. Danach ging es nicht schneller weiter: Auch an der Sicherheitskontrolle verloren sie noch einmal etwa 50 Minuten.

Als sie schließlich am Gate ankamen, war es bereits geschlossen. Sie erreichten es nur wenige Minuten zu spät. Besonders ärgerlich: Die Airline verweigerte eine Umbuchung auf einen späteren Flug. Die Reise war damit praktisch gescheitert, obwohl die Reisenden nach ihrer Darstellung rechtzeitig am Flughafen waren.

Das Gericht sieht nicht bloß Pech, sondern einen klaren Mangel

Das Oberlandesgericht Celle wertete die Situation als Mangel der Reise. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer eine Pauschalreise verkauft, schuldet nicht nur einzelne Bausteine, sondern eine funktionierende Reise insgesamt. Dazu gehört auch, dass die Abläufe rund um den Flug nicht völlig aus dem Ruder laufen.

Wichtig ist dabei noch ein anderer Punkt. Das Gericht machte deutlich, dass von Reisenden nicht verlangt werden kann, sich an anderen vorbei nach vorne zu drängeln. Genau das sei sozial unerwünscht. Diese Aussage ist bemerkenswert, weil Unternehmen in solchen Fällen gern so tun, als hätte man sich eben energischer durchsetzen müssen. Doch ein Flughafen ist kein Ellenbogen-Wettbewerb.

Auch die EU-Fluggastrechteverordnung spielte eine Rolle. Danach darf der Check-in nicht einfach grenzenlos dauern. Das stärkt die Sicht der Reisenden, dass „Check-in zu lang“ eben nicht nur ein lästiges Detail ist, sondern der Kern des Problems.

Warum der Fall über diesen Einzelfall hinaus wichtig ist

Ein endgültiges Urteil gibt es noch nicht, weil die Reisenden ihre Angaben noch mit Zeugen  belegen müssen. Trotzdem hat das Gericht schon einen Vergleich angeregt: rund 6200 Euro. Im Raum stehen die Erstattung des Reisepreises und sogar Geld für verlorene Urlaubszeit.

Der Fall ist deshalb so brisant, weil er ein verbreitetes Muster trifft. Im Reisemarkt wird oft ein Rundum-sorglos-Paket verkauft. Wenn es dann ernst wird, soll plötzlich niemand zuständig sein. Genau diese Haltung gerät hier ins Wanken.

Der kritische Punkt ist klar: Wer Reisen als Komplettpaket verkauft, darf sich bei chaotischen Abläufen nicht hinter Schaltern, Schlangen und Zuständigkeiten verstecken. „Check-in zu lang“ klingt erst einmal banal. In Wahrheit zeigt dieser Fall aber, wie dünn das Versprechen vom sorgenfreien Urlaub oft ist, sobald der Betrieb ins Stocken gerät.

Quelle: airliners.de

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