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„Denunzieren für Bares“ – EasyJet zahlt jetzt Prämien für Handgepäck-Petzer

21. Jul 20253 Min. Lesezeit

Wer zu groß packt, zahlt – wer’s meldet, kassiert

Es klingt wie eine Szene aus einem absurden Bürokratie-Satirefilm, ist aber die neue Realität am Flughafen: EasyJet zahlt Bargeld an Mitarbeiter, die Passagiere mit zu großem Handgepäck verpfeifen. Ja, richtig gelesen. Wer am Gate meldet, dass jemand seinen Trolley nicht unter den Sitz bekommt, erhält einen Bonus – 1,40 Euro pro Meldung. Willkommen im digitalen Pranger 2.0.

Und nein, das ist kein Witz. Der Billigflieger nennt das Ganze offiziell „Gate Bag Revenue Incentive“. Man wolle damit nur die belohnen, „die das Richtige tun“, heißt es. Kein Zwang, keine Zielvorgabe. Nur ein „netter Bonus“. Doch wenn jeder Griff zum Maßband bares Geld bedeutet, ist der Anreiz fürs „Hinsehen“ verdächtig hoch – und das Handgepäck plötzlich ein lukratives Nebenverdienstmodell.

Die Regeln – und wie man (leicht) draufzahlt

Bei vielen Billigfliegern gibt es inzwischen nur noch ein kleines Handgepäckstück gratis. Und das muss so winzig sein, dass es unter den Vordersitz passt. Wer doch einen Trolley über Kopf verstauen will, muss zahlen – bei EasyJet ab 7,99 Euro im Voraus. Doch wehe, man wird am Gate beim „Größenbetrug“ erwischt: Dann werden 60 Euro fällig, und der Trolley darf nicht mal mehr mit an Bord, sondern wandert in den Laderaum.

Für Reisende ein teurer Nerventest. Für EasyJet ein lohnendes Geschäftsmodell: Nur ein paar Zentimeter zu viel – und schon wird der Trolley zum Goldesel. Dass sich nun auch noch Prämien fürs Verpetzen dazugesellen, bringt das System endgültig ins Schieflage.

Ein ehemaliger Swissport-Mitarbeiter bringt es auf den Punkt: „Leute wegen zu großem Gepäck zu konfrontieren ist so ähnlich, wie Schwarzfahrer zu erwischen. Wenn du einer Gruppe auf der Reise zur Junggesellenparty erklärst, dass sie jetzt 60 Euro pro Tasche latzen muss, brauchst du Nerven aus Stahl.“

Brüssel will Schluss mit dem Chaos – die Airlines zicken

Während EasyJet & Co. auf Zentimeter und Zusatzgebühren bestehen, will die EU endlich einheitliche Regeln für alle Passagiere. Der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments schlägt vor: 40 × 30 × 15 cm fürs persönliche Gepäckstück, dazu maximal 7 Kilo Extra-Handgepäck kostenlos.

Doch die Airlines sträuben sich. Kostenlose Extras würden auch jene mitzahlen, die nur mit Zahnbürste reisen – so das Argument. Ryanair hat immerhin seine Taschenmaße leicht angepasst. Mehr Kulanz? Eher Fehlanzeige. Denn genau dieses „Zahl-drauf-wenn-du-was-mehr-willst“-Prinzip macht Billigfliegen für die Airlines lukrativ.

Wenn Verpetzen sich lohnt, ist das System kaputt

Was hier passiert, ist der Tiefpunkt einer Entwicklung, die längst entgleist ist. Statt kundenfreundliche Regeln zu schaffen, bauen Airlines an einem System aus Mini-Fallen, Gebührenfallen – und jetzt auch noch Denunziationsfallen. Wer seine Tasche nicht auf Millimetermaß ausgerichtet hat, wird behandelt wie ein Schwarzfahrer. Und Mitarbeiter werden zu Gepäckjägern gemacht.

Das hat nichts mit fairen Regeln zu tun – sondern mit kalter Kalkulation. Wer Regeln so eng auslegt, dass sie massenhaft gebrochen werden, macht das nicht aus Ordnungssinn – sondern weil sich’s lohnt. Wenn Handgepäck zum Geschäftsmodell wird, brauchen wir endlich einheitliche EU-weite Regeln mit echtem Verbraucherschutz – und kein Punktesystem fürs Denunzieren.

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