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Durchgefallen! Warum der Führerschein für viele zum Albtraum wird

23. Sep 20253 Min. Lesezeit

Jeder Zweite scheitert – was läuft hier schief?

Einmal durch die Theorie gefallen? Willkommen im Club. Denn inzwischen fliegt fast jeder Zweite bei der theoretischen Führerscheinprüfung raus – Tendenz steigend. Vor zehn Jahren war es noch ein Drittel. Heute sind es laut aktuellen Zahlen nur noch rund 54 Prozent, die den Theorieteil auf Anhieb bestehen. Die praktische Prüfung sieht mit 64 Prozent Bestehensquote zwar etwas besser aus, doch auch hier geht der Trend bergab.

Was ist da los? Ist der Führerschein zu schwer geworden? Oder sind die Fahrschüler schlechter vorbereitet? Die Antworten sind so vielfältig wie die Fragen im Test.

Komplexere Fragen, höhere Kosten, weniger Verkehrserfahrung

Wer heute zur Prüfung antritt, sieht sich einem gewaltigen Fragenkatalog gegenüber: Rund 1.200 Fragen, darunter Themen wie E-Mobilität, Assistenzsysteme und neue Verkehrsregeln. „Die Anforderungen steigen – weil der Straßenverkehr komplexer wird“, sagt Deutschlandfunk-Reporterin Anne-Kathrin Eutin. Die Fragen werden alle sechs Monate überarbeitet und angepasst. Was früher mit gesundem Menschenverstand zu bestehen war, gleicht heute einer Mini-Abschlussprüfung.

Hinzu kommen die Kosten: Bis zu 4.000 Euro kostet ein Führerschein mittlerweile – jede durchgefallene Prüfung treibt den Preis weiter in die Höhe. Das kratzt besonders bei Azubis, Studierenden oder Geringverdienern schnell am Limit.

Und dann wäre da noch die Praxisferne: Kinder und Jugendliche erleben den Straßenverkehr heute oft nur noch aus dem Rücksitz eines Elterntaxis. Sie radeln seltener allein durch die Stadt, erleben kaum noch, wie es ist, als Fußgänger oder Radfahrer im Verkehr mitzumischen. „Das wirkt sich auf die Vorbereitung aus“, sagt Stephan Ackerschewski vom Berliner Fahrlehrerverband.

TikTok statt Theorie: Wenn der Führerschein viral geht

Der Führerschein ist inzwischen auch ein Social-Media-Thema: Fahrlehrer Christoph Flittner aka „HerrFahrschule“ hat auf TikTok über 800.000 Follower. Er gibt dort Tipps zur Prüfung – und kritisiert gleichzeitig das System. „Ich frage mich oft: Wollen wir den besten Autofahrer finden oder einfach jemanden, der sicher fahren kann?“ Eine berechtigte Frage angesichts der hohen Durchfallquoten.

Flittner sieht vor allem das elektronische Prüfprotokoll als Problem. Seit 2021 erfassen Prüfer auf einem Tablet jeden Fahrfehler – ganz offiziell, ganz standardisiert. „Früher zählte auch der persönliche Eindruck“, sagt er. Heute geht’s oft nach einem strengen Schema – gut für die Gerechtigkeit, schlecht fürs Bauchgefühl.

Verkehrspsychologin Katja Schleinitz widerspricht: „Das neue System ist fairer. Früher wurde mit Schmierzetteln gearbeitet – heute gelten für alle die gleichen Regeln.“ Doch dass sie regelmäßig Briefe von verzweifelten Durchgefallenen bekommt, sagt viel aus.

Keine Prüfung darf am Geld scheitern

Was eigentlich ein Meilenstein im Leben junger Menschen sein sollte, wird zunehmend zum Nerventest mit Preisschild. Theorie mit Uni-Niveau, Praxis mit Prüfprotokoll, dazu vierstellige Summen für ein bisschen Freiheit auf vier Rädern – da läuft was schief.

Natürlich müssen Fahranfänger auf den Straßen sicher sein. Aber bei über 1.000 Fragen, ständig wechselnden Inhalten und einem Algorithmus-ähnlichen Prüfprotokoll fragt man sich: Suchen wir Maschinen oder Menschen, die sicher fahren?

Ein Führerschein sollte kein Luxusgut sein. Und auch keine Mutprobe. Wer sich heute durch dieses System kämpft, ist nicht nur fahrbereit – sondern wahrscheinlich nervlich abgehärteter als so mancher Vielfahrer.

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