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Ex-Wirecard-Manager Marsalek in Moskau aufgespürt – vom Milliardenbetrüger zum russischen Spion?

18. Sep 20253 Min. Lesezeit

Bild: Framalicious / shutterstock.com

Gesucht weltweit – gefunden mitten in Moskau

Seit dem Wirecard-Skandal im Jahr 2020 ist Jan Marsalek untergetaucht – und wurde zum Gesicht eines der größten Wirtschaftsbetrugsfälle der deutschen Geschichte. Jetzt soll er laut einem Rechercheteam von Spiegel, ZDF und der russischen Plattform The Insider in Moskau enttarnt worden sein – mit Fotos, Handydaten und mutmaßlichen Geheimdiensteinsätzen.

Der 45-jährige gebürtige Österreicher ist seit Jahren international per Haftbefehl gesucht. Jetzt soll er sich unter dem Schutz des russischen Geheimdienstes FSB in der Hauptstadt Moskau aufhalten – und sogar selbst für den Dienst arbeiten. Auf Fotos ist er zu sehen, wie er in die Nähe der FSB-Zentrale an der Lubjanka geht. Laut dem Bericht wurde sein Handy allein zwischen Januar und November 2024 über 300-mal genau dort geortet.

Neuer Name, neue Rolle, neue Identität

Marsalek lebt laut den Recherchen inzwischen unter dem Namen Alexander Michaelowitsch Nelidov – mit russischem Pass und mehreren Tarnidentitäten. Ermittler gehen davon aus, dass er nicht nur untergetaucht ist, sondern aktiv in geheimdienstliche Operationen verwickelt war. Datenanalysen deuten auf Reisen in russisch besetzte Gebiete wie Mariupol und die Ostukraine hin. Dort soll er an Einsätzen hinter den Frontlinien beteiligt gewesen sein.

Auch ein privates Detail wurde öffentlich: Marsalek wird regelmäßig mit einer 41-jährigen Übersetzerin in Moskau gesehen. Die Recherchen zeigen ihn häufig in der Nähe ihrer Wohnung im Stadtzentrum.

Während Marsalek schweigt, ermittelt die deutsche Bundesanwaltschaft wegen Spionage, Bandenbetrug und Wirtschaftskriminalität in Milliardenhöhe. Dass aus einem Wirtschaftsvorstand ein mutmaßlicher Spion wurde, liest sich wie ein Spionagethriller – und könnte bittere Realität sein.

Marsalek – das Phantom hinter dem Wirecard-Crash

Jan Marsalek galt bei Wirecard als der Strippenzieher im Asiengeschäft. 2020 fiel der DAX-Konzern in sich zusammen: 1,9 Milliarden Euro waren angeblich auf Treuhandkonten in Asien – tatsächlich existierten sie nie. Während andere Manager festgenommen wurden, verschwand Marsalek spurlos. Seine Flucht war offenbar minutiös geplant, mit Kontakten bis ins russische Netzwerk.

Im Mai 2025 dann der nächste Paukenschlag: In Großbritannien wurden Mitglieder eines russischen Agentenrings verurteilt, den Marsalek laut Gericht als Drahtzieher von Moskau aus angeführt haben soll. Die Vorwürfe reichten von Militärspionage bis zu geplanten Entführungen und Mordversuchen.

Symbol für Scheitern und Versagen

Marsalek ist mehr als ein Finanzverbrecher. Er ist Symbol für das Scheitern von Kontrolle – nicht nur bei Wirecard, sondern in der internationalen Strafverfolgung. Wenn einer der meistgesuchten Männer Europas offen für einen Geheimdienst arbeitet, mitten in Moskau lebt und dabei noch frei herumläuft, dann stimmt etwas ganz Grundlegendes nicht mehr.

Die Frage ist nicht nur, wie das passieren konnte – sondern auch, wie viele Marsaleks noch da draußen sind. Ein Milliardenbetrug war offenbar nur der Anfang.

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