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Rechtliches

Gericht unter Strom: Zeuge mit Datenbrille entlarvt – Aussage fällt komplett durch

20. Mär 20263 Min. Lesezeit

Bild: tete_escape/Shutterstock.com

Ein aufsehenerregender Vorfall erschüttert ein Gericht in London: Mitten in einer laufenden Verhandlung wird ein Zeuge verdächtigt, seine Aussagen nicht selbst zu formulieren. Stattdessen soll er in Echtzeit über eine Datenbrille Anweisungen erhalten haben. Was zunächst wie eine Vermutung klingt, entwickelt sich schnell zu einem handfesten Skandal – mit klaren Konsequenzen. Das Portal Golem berichtet in Bezugnahme auf das britische Portal legalfutures.

Seltsame Verzögerungen wecken Misstrauen

Schon zu Beginn der Befragung fiel der Zeuge durch ungewöhnlich lange Denkpausen auf. Jede Antwort kam verzögert, fast so, als würde er erst auf ein Signal warten. Zunächst blieb das ohne Folgen, doch im weiteren Verlauf häuften sich die Auffälligkeiten.

Die Situation änderte sich schlagartig, als im Gerichtssaal plötzlich Störgeräusche wahrgenommen wurden. Die Verteidigerin reagierte sofort und äußerte einen konkreten Verdacht: Könnte der Zeuge technische Hilfe nutzen? Sie bat darum, die Brille abzusetzen – nicht ohne Hintergrund, denn moderne Datenbrillen können Informationen live übertragen.

Die Richterin hielt laut Golem später fest:

“Diese Fragen wurden übersetzt, und dann entstand eine Pause, bevor eine Antwort erfolgte. Nach einigen Fragen teilte mir [Verteidigerin] Sarah Walker mit, dass sie Störgeräusche aus der Umgebung von Herrn Jakštys wahrnehme, und fragte, ob Herr Jakštys seine Brille kurz abnehmen könne, da ihr die Existenz von Smartglasses bekannt sei.”

Technik verrät den Plan

Was dann passierte, ließ wenig Raum für Zweifel. Während der Befragung verlor die Datenbrille offenbar die Verbindung zum Smartphone – und plötzlich war eine fremde Stimme deutlich hörbar. Damit war klar: Hier lief mehr als nur eine normale Zeugenaussage.

Die Richterin reagierte konsequent und ließ sowohl die Brille als auch das Smartphone sichern. Doch der Zeuge blieb bei seiner Darstellung und bestritt jede Nutzung.

Am nächsten Verhandlungstag erschien er erneut mit der Brille. Trotz der Vorfälle hielt er an seiner Version fest. Selbst als Telefonprotokolle zahlreiche eingehende Anrufe während seiner Aussage belegten, erklärte er wiederholt, sich an nichts erinnern zu können.

Fragwürdige Erklärung sorgt für Kopfschütteln

Besonders irritierend wurde es, als der Zeuge eine Erklärung lieferte, die kaum nachvollziehbar war. Er gab an, geglaubt zu haben, ChatGPT habe dafür gesorgt, dass die Stimme aus seinem Mobiltelefon zu hören gewesen sei.

Für das Gericht war diese Darstellung nicht überzeugend. Die Folge: Seine gesamte Aussage wurde verworfen.

Technik im Gericht: Chance oder Risiko?

Der Fall zeigt, wie anfällig Gerichtsverfahren für technische Manipulation werden können. Was im Alltag praktisch erscheint, kann im Gerichtssaal die Wahrheitsfindung massiv gefährden. Aussagen müssen eigenständig erfolgen – jede Einflussnahme von außen ist ein Problem.

Gleichzeitig wächst der Druck auf Gerichte, mit solchen Entwicklungen Schritt zu halten. Die Technik entwickelt sich schneller als viele Regeln.

Am Ende bleibt ein unangenehmer Eindruck: Nicht die Technik ist das Problem, sondern ihr Missbrauch. Wer glaubt, sich im Gerichtssaal per Knopfdruck helfen lassen zu können, spielt mit hohem Risiko – und verliert im Zweifel alles.

Quellen: golem.de

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