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Rechtliches

Nur noch Mann oder Frau im Pass – was das US-Urteil für Millionen Menschen bedeutet

14. Nov 20253 Min. Lesezeit

Bild: mark reinstein / Shutterstock.com

Gericht sagt: Nur zwei Geschlechter – Punkt.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine Entscheidung getroffen, die viele Menschen hart trifft: In amerikanischen Reisepässen soll es nur noch „männlich“ oder „weiblich“ geben. Kein „X“ mehr für nicht-binäre oder trans Personen. Und auch kein Platz für das Geschlecht, mit dem sich jemand tatsächlich identifiziert – maßgeblich ist nur noch, was bei der Geburt im Krankenhaus stand.

Die Richter mit konservativer Mehrheit sagen: Das ist keine Diskriminierung. Für sie ist das eingetragene Geschlecht einfach eine „historische Tatsache“, vergleichbar mit dem Geburtsland. Fertig. Die Pässe sollen also nicht zeigen, wie jemand lebt oder wer er ist, sondern wie er geboren wurde. Ganz egal, was das für den Alltag bedeutet.

Trans-Menschen warnen: Diese Entscheidung gefährdet Leben

Drei der Richter sahen das anders. Sie warnten, dass die Entscheidung echten Schaden anrichtet. Denn viele Trans-Menschen erleben an Flughäfen oder bei Kontrollen regelmäßig Probleme: Sie werden schräg angeschaut, durchsucht oder sogar beschuldigt, falsche Dokumente zu benutzen. Der Grund: Foto, Name und Geschlechtsangabe passen nicht zusammen – oder eben nicht zu dem, was andere erwarten.

In einer Klage schilderten Betroffene, wie sie durch genau solche Situationen immer wieder in Angst geraten – vor Belästigung, Gewalt oder einfach nur demütigenden Fragen. Trotzdem setzte sich die konservative Mehrheit durch. Und auch wenn das Urteil noch nicht endgültig ist, ist die Botschaft deutlich: Identität hat in US-Dokumenten gerade keinen Platz.

Deutschland macht’s anders

Hierzulande ist man längst weiter: Mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz kann jeder Erwachsene sein Geschlecht und seinen Vornamen einfach beim Standesamt ändern – ohne Gericht, ohne Gutachten, ohne Drama. Im Ausweis kann neben „männlich“ und „weiblich“ auch „divers“ oder ein „X“ stehen. Und: Es funktioniert. Innerhalb eines Jahres haben über 22.000 Menschen diesen Schritt gemacht.

Das zeigt: Es gibt einen echten Bedarf – und das Bedürfnis, auch rechtlich gesehen zu werden, wie man ist. Niemand verlangt, dass sich andere verändern. Aber jede*r sollte die Möglichkeit haben, in Dokumenten nicht als „falsch“ dazustehen.

Kommentar: Ausgerechnet der Pass entscheidet, wer man ist?

Ein Ausweis ist mehr als Papier – er ist auch ein Spiegelbild von Identität. Wer da „männlich“ liest, obwohl er sich als Frau fühlt (oder umgekehrt), wird bei jeder Kontrolle daran erinnert, dass der Staat ihn anders sieht, als er sich selbst. Und das ist nicht nur unangenehm – es kann gefährlich sein.

Dass das höchste US-Gericht ausgerechnet jetzt zurück zu einer starren Zwei-Geschlechter-Logik geht, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Als würde man versuchen, eine immer buntere Gesellschaft in Schwarz und Weiß zu pressen. Dabei zeigen Länder wie Deutschland längst, dass es auch anders geht – und dass mehr Freiheit auf dem Papier niemandem wehtut, aber vielen das Leben erleichtert.

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