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Rechtliches

Sky-Betrug: Wie ein Rentnerpaar einen Millionenschaden anrichtete

25. Sep 20253 Min. Lesezeit

Bild: philip openshaw / shutterstock.com

Pay-TV zum Schleuderpreis – aus dem Hinterzimmer

In Deggendorf lebten sie unauffällig, fast unsichtbar – ein 68-jähriger Elektromechaniker und seine 70-jährige Frau. Doch laut Anklage haben die beiden Sky über Jahre systematisch ausgetrickst – und dabei mehr als 4,4 Millionen Euro Schaden verursacht. Ihr Werkzeug: sogenannte „Russen-Receiver“ und ein Geschäftsmodell, das fast zu simpel war, um illegal zu sein. Statt Serien-Streaming im Abo gab’s die große Filmwelt für kleines Geld – alles unter der Ladentheke.

Zwischen 2014 und 2019 sollen sie über 1.700 modifizierte Receiver des Typs „Octagon“ verkauft haben. Preis pro Stück: 199 Euro. Obendrauf kassierten sie von den Käufern jährlich 50 Euro für ein Cardsharing-System, das die Sky-Signale aus den Niederlanden entschlüsselte – ein Schnäppchen, verglichen mit regulären Abopreisen von fast 80 Euro im Monat. Für etwas mehr Geld gab’s noch Netflix, Prime und internationale Kanäle. Ein „All-you-can-watch“-Paket für den Preis eines Sky-Filmpakets – nur eben nicht legal.

Senioren-Business mit Mafia-Flair

Was aussieht wie ein kurioses Senioren-Hobby, war laut Staatsanwaltschaft ein kriminelles System mit über 4.600 Fällen von Computerbetrug. Der Mann bastelte an der Technik, seine Frau managte den Verkauf. Ein Rentnerpaar als Chefetage eines Mini-Piraterie-Imperiums. Der Jahresumsatz: stattliche 539.000 Euro – genug für Haus, Garten und vermutlich ein entspanntes Leben.

Der Schaden für Sky: offiziell über 4,4 Millionen Euro. Für einen Konzern dieser Größe vielleicht verkraftbar – für das Gericht in Landshut ein echter Kraftakt. 27 Prozesstage sind angesetzt. Mit Richtern, Schöffen, Dolmetschern und Dutzenden Zeugen. Der Aufwand ist gewaltig – das Interesse ebenso.

Streaming ohne Abo: Zwischen Kavaliersdelikt und Millionenstrafe

Die Reaktionen auf den Fall sind gespalten. Für manche ist das Ganze ein harmloses Schnäppchen. Für andere ein klarer Betrug mit großem Schaden für Anbieter, Rechteinhaber und den legalen Markt. Sky selbst will ein Zeichen setzen und erklärt: „Sky nimmt Piraterie sehr ernst“. Das Unternehmen hat bereits weitere Strafanzeigen gestellt – nicht nur gegen Verkäufer, sondern auch gegen Nutzer.

Aber wie hart trifft die Justiz ein Rentnerpaar, das aus seinem kleinen Laden heraus eine moderne Raubkopier-Zentrale betrieb? Bleibt es bei Bewährung und Geldstrafe? Oder kommt es zum Abschreckungsurteil mit Signalwirkung? Die Angeklagten schweigen bislang. Doch hinter den Kulissen wird über Deals und Geständnisse verhandelt.

Dieser Betrug ist kein Bagatelldelikt

Was auf den ersten Blick wie ein Rentnertrick mit Technik-Fimmel aussieht, ist in Wahrheit ein hochprofessioneller Betrug – und zwar in Serie. Wer glaubt, illegales Streaming sei ein Kavaliersdelikt, sollte sich diesen Fall genau anschauen: Tausende Kunden, Millionenverluste, über Jahre hinweg. Und das mit einer Dreistigkeit, die eher an organisierte Banden als an „Opa bastelt im Keller“ erinnert.

Die spannende Frage ist nicht nur: Wie konnte das so lange gutgehen? Sondern auch: Wie viele solcher Rentner-Startups gibt es da draußen noch? Der Kampf gegen illegales Streaming wird nicht auf IT-Messen gewonnen, sondern im Hinterhof – oder im Wohnzimmer von Leuten, die sich für cleverer halten als das Gesetz.

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