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Arbeitswelt

1400 Euro fürs Nicht-Kranksein – cleverer Bonus oder gesundheitsgefährdender Druck?

15. Jul 20253 Min. Lesezeit

Bonus gegen Bauchweh: Was steckt hinter dem Modell aus Dortmund?

Ein Unternehmen in Dortmund sorgt aktuell für Diskussionen in der Arbeitswelt – und das mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: Wer ein Jahr lang nicht krank wird, bekommt 1400 Euro Bonus. Pro Krankheitstag gehen davon allerdings 140 Euro flöten. Die Firma GfG Gesellschaft für Gerätebau hat dieses Modell seit Jahren im Einsatz – mit anscheinend durchschlagendem Erfolg. Die Krankheitsquote ist bei ihnen nur halb so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt.

Klingt erstmal nach Win-win: Mitarbeiter gesund, Chef zufrieden, weniger Krankenkassenkosten. Doch nicht alle sehen das so. Denn was passiert, wenn Mitarbeitende trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen, nur um den Bonus nicht zu verlieren?

Krank oder nur müde? Wenn Geld die Gesundheit steuert

Der Ökonom Prof. Dr. Nicolas R. Ziebarth bringt es auf den Punkt: „Belohnung wirkt besser als Strafe.“ Er hält das Modell grundsätzlich für sinnvoll – solange es durchdacht umgesetzt wird. Vor allem leichte Erkrankungen oder das klassische „Blaumachen“ könnten dadurch reduziert werden.

Aber die Wissenschaft bleibt gespalten. Eine US-Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu einem paradoxen Ergebnis: Ein Anwesenheitsbonus kann sogar mehr Krankmeldungen verursachen. Warum? Weil Mitarbeitende sich plötzlich weniger schuldig fühlen, wenn sie sich doch krankmelden – schließlich haben sie sich das vorher „verdient“.

Dagegen zeigen andere Untersuchungen, dass Lotterie-Modelle, bei denen am Monatsende ein Preis unter allen Anwesenden verlost wird, besser funktionieren. Der Grund: kein persönlicher Druck, sondern gemeinschaftlicher Anreiz.

Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Was darf der Arbeitgeber?

Kritiker werfen dem Modell vor, ungesunde Signale zu senden. Denn: Wer krank zur Arbeit geht, riskiert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern steckt womöglich auch andere an – gerade in offenen Büros oder Produktionshallen ist das ein echtes Problem. Es entsteht ein ungesunder Wettbewerb, bei dem Loyalität plötzlich mit Krankheit gleichgesetzt wird.

Zudem: Was ist mit chronisch kranken Mitarbeitenden? Oder denen mit Kindern, die regelmäßig Pflegezeiten brauchen? Für sie wird das Bonussystem schnell zur Diskriminierungsfalle. Und genau da wird’s heikel – auch arbeitsrechtlich. Denn ein Bonus darf nicht indirekt Druck auf gesundheitlich schwächere Arbeitnehmer ausüben.

Motivation ja, aber bitte nicht auf Krankenschein

Belohnungen sind okay – aber nicht um jeden Preis. Es ist richtig, Anreize zu schaffen, die Fehlzeiten senken. Aber wer dafür auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter setzt, spielt mit dem Feuer. Der Bonus wird schnell zum Bumerang, wenn Angestellte mit Grippe, Migräne oder Burnout zur Arbeit schleppen – nur weil sie am Jahresende ein bisschen mehr auf dem Konto haben wollen.

Klartext: Wer mit 39 Fieber aufkreuzt, ist kein Held – sondern ein Risiko. Der Bonus für Gesundheit sollte eben nicht zur Prämie für Selbstverleugnung werden. Unser Vorschlag: Warum nicht das Geld in echte Gesundheitsförderung investieren – in Bewegung, Ernährung, psychische Balance?

Denn am Ende gilt: Wer wirklich gesund bleibt, braucht keinen Bonus – sondern einen Arbeitsplatz, der das auch erlaubt.

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