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Arbeitswelt

Kündigungswelle vorprogrammiert? Warum immer mehr Deutsche einfach nicht mehr können

11. Sep 20253 Min. Lesezeit

Zu viel Stress, zu wenig Pause – und jetzt?

Eine aktuelle Statista-Umfrage zeigt: 44 Prozent der Beschäftigten wollen in den nächsten zwölf Monaten kündigen. Die Gründe? Kein Bock? Faule Gen Z? Nein – die Mehrheit fühlt sich schlichtweg am Limit.

Es wird viel geredet über längere Arbeitszeiten, höhere Produktivität und mehr Flexibilität. Doch wie soll das in die Praxis umgesetzt werden? Denn immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich dauerhaft überlastet – und denken ernsthaft über einen Jobwechsel nach.

Wenn acht Stunden zu viel und sechs zu wenig sind

Fast jeder Zweite arbeitet täglich 8 bis 10 Stunden – aber effektiv konzentriert bleibt kaum jemand länger als 4 bis 6 Stunden. Und das ist kein Einzelfall: 43 Prozent machen regelmäßig Überstunden, 12 Prozent sogar täglich. Besonders betroffen sind jüngere Arbeitnehmer zwischen 18 und 24 Jahren – fast jeder Fünfte hängt jeden Tag länger im Job.

Der Preis für dieses hohe Arbeitspensum ist deutlich spürbar: Erschöpfung, vernachlässigtes Privatleben und ständige Belastung bringen Arbeitnehmer an den Rand des Burnouts. Auch der Schlaf wird schlechter – besonders bei Männern zeigt sich dieser Effekt deutlich. Kommen dann noch zusätzlicher Druck von oben, eine Flut an parallelen Projekten und die ständige Erreichbarkeit hinzu, ist der Weg in den kollektiven Burnout praktisch vorprogrammiert.

Zwischen Rückzug, Krankschreibung und innerer Kündigung

Die Reaktionen auf die Überforderung fallen unterschiedlich aus, doch eines wird dabei klar: Die Lage ist ernst. Manche sprechen offen im Team über ihre Belastung, andere ziehen kurzfristig die Reißleine und nehmen Urlaub oder melden sich krank. Besonders alarmierend ist, dass einige sogar vortäuschen, produktiver zu sein, als sie es tatsächlich noch leisten können – ein deutliches Zeichen für inneren Rückzug.

All das wirkt wie ein stummer Notruf, der längst nicht mehr überhört werden darf. Denn die ständige Überlastung entwickelt sich mehr und mehr zur Kündigungswelle – vor allem bei jungen Beschäftigten, von denen viele bereits ernsthaft mit dem Gedanken spielen, ihren Job aufzugeben.

Die Warnung ist raus – was passiert jetzt?

Annika in der Beek von Statista bringt es auf den Punkt: Es brauche endlich eine Unternehmenskultur, die Pausen und Erholung aktiv unterstützt, statt sie als Schwäche zu brandmarken. Gleichzeitig sollen Beschäftigte lernen, ihre Grenzen rechtzeitig zu erkennen – und diese auch zu verteidigen.

Aber mal ehrlich: Wer nach zehn Stunden Arbeit noch Energie hat, um seine Belastungsgrenze mit der Führungskraft zu „reflektieren“, lebt wohl in einer anderen Welt.

Die Wahrheit ist unbequem!

Wenn fast jeder Zweite ans Kündigen denkt, liegt das nicht an den Menschen, sondern am System. Viele Firmen behandeln ihre Mitarbeitenden wie Akkus – immer aufladen, nie abschalten. Und wenn der Akku dann leer ist? Dann wird „Resilienztraining“ angeboten.

Vielleicht wäre der bessere Weg: Weniger PowerPoint, mehr Pause. Weniger Druck, mehr Dialog. Und wenn die Politik wirklich über Arbeitszeitverlängerung redet, sollte sie sich zuerst mit der Realität beschäftigen – und nicht mit Wunschvorstellungen aus dem Konferenzraum.

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