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Arbeitswelt

Arzttermin statt Kundenbesuch – Kündigung kassiert, Arbeitgeber zahlt über 118.000 Euro

10. Feb 20263 Min. Lesezeit

Bild: FOTOGRIN / Shutterstock.com

90 Minuten, die plötzlich als „Skandal“ gelten

Manchmal entscheidet im Job nicht die große Sache, sondern ein kleines Zeitfenster. In Spanien ging es in einem Fall um gerade mal 90 Minuten. Ein Mitarbeiter war in dieser Zeit im Krankenhaus – und sein Arbeitgeber machte daraus später den Grund für eine fristlose Kündigung. Der Merkur berichtet über den Fall.

Der Mann war kein „Wackelkandidat“. Er arbeitete seit 2003 für einen internationalen Anbieter aus der Dermokosmetikwelt mit Sitz in Barcelona. Über viele Jahre lief alles offenbar so gut, dass er sogar für seine Leistung ausgezeichnet wurde, zuletzt 2023. Dann kam der Einschnitt: Ende 2023 wurde bei ihm eine schwere Erkrankung an Leber und Gallenwegen festgestellt. Operation, lange Erholung. Im März 2024 war er wieder zurück im Arbeitsleben.

Nach der Krankheit: Vertrauen weg, Lupe an

Und genau da wird die Geschichte unangenehm. Denn nach der Rückkehr begann das Unternehmen laut Berichten, ihn extrem genau zu beobachten. Es ging nicht um ein klares Gespräch, sondern um Kontroll-Logik: Arbeitspläne, Wege, Zeiten. Sogar ein Privatdetektiv soll eingeschaltet worden sein, um zu prüfen, ob der Mitarbeiter wirklich arbeitet, wenn er es sagt.

Der Kernvorwurf drehte sich um einen Morgen: Im System standen ab 9:30 Uhr Kundenbesuche, tatsächlich war der Mann aber für 90 Minuten im Krankenhaus. Für den Arbeitgeber sah das nach „zu wenig Leistung“ aus. Am nächsten Tag war der Mitarbeiter zusätzlich in einer Besprechung von über 40 Minuten, meldete insgesamt elf Termine und reichte einen Essensbeleg ein. Trotzdem setzte sich bei der Firma offenbar ein Bild fest: nachlassende Leistung, Disziplinprobleme, Illoyalität. Einen Monat später folgte der ganz harte Schritt: fristlose Kündigung.

Gericht sagt: Das reicht nicht für die rote Karte

Der Mitarbeiter wehrte sich – und gewann. Er konnte nachweisen, dass die Arzttermine tatsächlich stattgefunden hatten. Der Oberste Gerichtshof von Galicien erklärte die Kündigung für unwirksam. Die Richter sahen keinen so schweren Pflichtverstoß, dass man jemanden sofort vor die Tür setzen darf. Außerdem spielte eine Rolle, dass der Mann über viele Jahre eine gute Bilanz hatte – und dass die Vorwürfe nicht mit starken, objektiven Belegen unterfüttert waren.

Am Ende bekam der Arbeitnehmer eine Abfindung von 118.256,51 Euro. Das ist nicht nur ein „kleiner Dämpfer“ für den Arbeitgeber, das ist ein deutliches Signal: Wer extrem durchgreift, braucht extrem gute Gründe.

Was man als Beschäftigter daraus mitnehmen kann

Auch wenn der Fall aus Spanien kommt, ist die Lektion ziemlich universell: Wenn nach einer Krankheit plötzlich Kontrolle statt Vertrauen regiert, ist das ein Warnzeichen. Und wenn der Arbeitgeber aus Kleinigkeiten ein großes Fehlverhalten baut, sollte man sehr genau hinschauen, was wirklich belegt ist – und was nur Interpretation ist.

Wie wir das bewerten

Das wirkt wie ein Muster, das man leider zu oft sieht: Solange jemand funktioniert, ist er „wertvoll“. Sobald Gesundheit dazwischenfunkt, wird er zum Risiko – und dann wird jede Abweichung aufgeblasen. Ein Unternehmen, das nach einer schweren Diagnose lieber Detektive losschickt als Klartext zu reden, hat nicht „Konsequenz“, sondern ein Führungsproblem. Und am Ende ist es nicht nur unmenschlich, sondern auch teuer.

Quelle: merkur.de

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